Sport nach Corona – Myokarditis Risiko

Die Omikron Variante hat Europa und den Rest der Welt fest im Griff und beinahe jeder hat oder hatte Corona. Gerade bei SportlerInnen wirft das aber die Frage nach den Folgerisiken auf und wann man wieder mit dem Sport beginnen sollte.

Zu Beginn sei mal gesagt, dass die Krankheitsverläufe unter dem Corona Virus sehr individuell und unterschiedlich stark sind und genau so individuell wie den Krankheitsverlauf, sollte man auch den Einstieg in den Sport sehen.

Um die Folgeschäden einer Viruserkrankung zu verstehen, muss man aber erst einmal verstehen was ein Virus tut. Zum Glück hatte ich im Zuge meines Biologie Studiums auch Virologie (fand ich übrigens sehr spannend) und erkläre euch das ganz kurz und vereinfacht:

Was tut ein Virus und wieso schädigt es unsere Zellen?

Viren sind winzig. Sie bestehen nur aus einem oder mehreren Molekülen. Diese Moleküle enthalten das Erbgut (DNA oder RNA) und sind von einer Eiweißhülle umgeben.

Anders als Bakterien bestehen Viren nicht aus einer eigene Zelle und sie haben auch keinen eigenen Stoffwechsel. Sie haben keine eigene Energiegewinnung und keine Möglichkeit zur Proteinsynthese. Sie können sich nicht selbstständig vermehren. Deshalb sind sie eigentlich keine „echten“ Lebewesen.

Ein Virus benötigt eine Wirtszelle – in diesem Fall unsere Zellen – um sich vermehren zu können. Dabei schleust es sein eigenes Erbgut in unsere Zellen ein und zwingt die befallene Zelle dazu, neue Viren zu produzieren, so lange bis die Zelle aufplatzt und tausende neue Viren freigibt – welche sich dann wiederum eine neue, gesunde Zelle zur Vermehrung suchen. So vermehrt sich ein Virus.

Im Zuge dieser Vermehrung töten Viren also haufenweise unsere Zellen. Prinzipiell können alle unsere Zellen befallen werden. Je nachdem wo sich ein Virus ansiedelt und je nachdem wie groß das befallene Gebiet ist, können Organe und Muskulatur auf diese Weise erheblichen Schaden nehmen.

Sobald unser Immunsystem sich einschaltet, entsorgt unser Körper zwar die frei herumschwirrenden Viren, aber die Zellen die zerstört wurden, können nicht so schnell wiederhergestellt werden. Das benötigt mehr Zeit.

Unbemerkte Folgeschäden

Wenn ein Virus im Körper wütet, können Organe also erhebliche Schäden davontragen. Meist merken wir davon nichts oder nur sehr wenig – das ist dann ein leichter bis mittelschwerer Krankheitsverlauf. Wir haben dann meist nur etwas Fieber, Husten, Halsweh und Schnupfen. Bei schweren Verläufen, kann es jedoch bis zum Organversagen kommen und eine Virusinfektion kann somit auch tödlich enden.

Anm.: Wen es wie trifft, das kann man nicht vorhersagen. Aber dass Immunsystem mit einer Impfung auf eine mögliche Infektion vorzubereiten ist jedenfalls nicht verkehrt.

Werden im Zuge einer Virusinfektion Organe geschädigt, so kann das unbemerkt passieren. Ein geschwächter Herzmuskel zB. kann lange unbemerkt bleiben und sich noch Wochen nach der Infektion durch Anstrengung entzünden. Das nennt sich dann Myokarditis (Herzmuskelentzündung) und ist bei SportlerInnen sogar recht häufig nach einer Viruserkrankung.

Erfahrungsbericht Post Covid Myokarditis

Ich selbst habe mich im November 2020 mit dem Corona Virus infiziert und hatte einen mittelschweren Verlauf mit hohem Fieber, Durchfall, Husten, Schnupfen und Atemnot. Die Infektion selbst hat 8 Tage gedauert. Danach habe ich mich allerdings noch Wochen lang sehr schlapp gefühlt. Als die Infektion festgestellt wurde, habe ich 14 Tage komplett mit dem Training pausiert und dann wieder mit leichtem Training begonnen. Zu früh, wie ich feststellen musste.

Eine Folgeschädigung die ich sofort bemerkt habe, was eine lästige Gastritis, die trotz Schonkost einfach nicht verschwinden wollte. Dies war wohl das erste Warnsignal, dass meine Organe erheblichen Schaden genommen hatten.

Im Februar war die Gastritis immer noch nicht verschwunden und ich hatte am Tag nach einem intensiven (Bein)Training plötzlich Fieber und mir war die ganze Zeit sehr übel. Ich dachte ich hätte vielleicht Magen-Darm-Grippe, denn der Corona Test war negativ. Mein Hausarzt verschrieb mir ein Mittel gegen Übelkeit, aber es wurde einfach nicht besser. Am Abend kam starkes Sodbrennen dazu und die brennenden Schmerzen wurden von Stunde zu Stunde schlimmer. Mitten in der Nacht hielt ich es nicht mehr aus und wir fuhren zu einer Nachtapotheke. Die Schmerzen waren zu der Zeit schon kaum mehr auszuhalten und strahlten in meinen linken Arm aus. Die Apothekerin gab mir ein Mittel gegen Sodbrennen. Es half allerdings nichts und somit fuhren wir ins Krankenhaus.

Nachdem ich den Ärzten meine Symptome beschrieben hatte, wurden zahlreiche Tests durchgeführt. Blutuntersuchungen, erneute Covid Tests, EKG und MRT. Verdacht auf Myokarditis. Ich wurde an haufenweise Sensoren angeschlossen und im Krankenhaus stationär aufgenommen.

Zu Mittag kam dann die Bestätigung: „Post-Covid-Myokarditis“

lies auch gerne meine Posts dazu auf Instagram

Für mich war das natürlich ein Schock! Denn ich hatte mich gut gefühlt, bis zu dem Zeitpunkt als plötzlich nichts mehr ging. Die Ärzte meinten ich hatte großes Glück, dass die Gastritis den brennenden Schmerz verursacht hatte, denn ich hätte genauso gut am nächsten Tag mit Herzversagen tot umfallen können. So lange hatte ich diese Entzündung schon mit mir herumgeschleppt ohne es zu merken.

Die kommenden Tage folgte eine Untersuchung auf die nächste. Ich durfte die ersten Tage nur liegen. Nur mit Aufsicht zur Toilette. Hatte Fieber und immer wieder den brennenden Schmerz in der Brust. Ich hatte Todesangst.

Nach 5 Tagen gingen die Entzündungswerte endlich wieder runter und ich wurde nach Hause geschickt, da mein Bett gebraucht wurde. Daheim besuchte mich täglich eine Krankenschwester, um meine Vitalwerte zu nehmen. Ich konnte es nicht fassen.
Eine Woche zuvor hatte ich das geilste Training und jetzt: 6 Monate Sport Verbot. Einfach so.

In den darauf folgenden Monaten war ich öfter beim Arzt als in meinem ganzen bisherigen Leben zusammengenommen. Nach 2 Monaten bekam ich die Freigabe, mich bis zu einem Puls von 140 Schlägen pro Minute bewegen zu dürfen. Das klingt nach viel, aber meine Herzfrequenz schnellte sogar bei einem Spaziergang schon auf 190 hoch, also hieß es ausschließlich Matten-Training. Aber immerhin etwas. Der Pulsmesser meiner Fitbit wurde daraufhin mein bester Freund und ich probierte was ging und was nicht. So hantelte ich mich die Wochen bis zur Sport Freigabe durch.

Ergebnis von: Lockdown – Infektion – Myokarditis

Ich habe in dieser Zeit immens viel Muskulatur verloren und hatte mehr als nur ein mentales Tief aus dem ich mich irgendwie wieder herausziehen musste. Mir half dabei vorallem Meditation und die Beschäftigung mit dem Prinzip des Stoizismus (siehe Buch „Der tägliche Stoiker„). Und da ich kaum essen konnte, war ich froh, wenigstens meinen mindest Protein Bedarf mittels Smart Protein decken zu können – das half mir mental auch stark.

Wiedereinstieg ins Training nach einer Pause

Wir alle müssen hin und wieder Rückschläge einstecken und uns anschließend wieder aufraffen.

Bei einer längeren Trainingspause und schlimmen Infektionen, leiden natürlich Kraft und Muskulatur, das muss einem klar sein. Daher darfst du nicht von dir erwarten, sofort wieder die gleiche Leistung erbringen zu können wie vor der Infektion.

So gehst du am besten vor:

Egal welchem Trainings-Split du vorher gefolgt bis, für den Einstieg ist erst einmal Ganzkörper Training angesagt. Am besten verwendest du in den ersten Einheiten Maschinen, statt den freien Gewichten, um nicht zusätzlich stabilisieren zu müssen.

Die Gewichte sollten relativ leicht sein. Pro Muskelgruppe nur eine Übung.
Es geht hier rein um Wiederherstellung von Kraft, Koordination und Muskeltonus.
2-3 Einheiten Ganzkörper sind eine gute Basis für den Wiedereinstieg.

Nach den ersten Einheiten Ganzkörper Training, kannst du dein Training auf einen Oberkörper-Unterkörper-Split ausweiten. Und auch freie Gewichte können wieder dazugenommen werden. Steigere die Gewichte und Anzahl der Übungen langsam. Hab aber Geduld mit dir selbst.

Je nachdem wie lange die Trainings Pause war und welcher Umstand dazu geführt hat, dauert der Aufbau von Kraft und Muskulatur natürlich dementsprechend länger oder kürzer. Wenn du merkst, dass das schonende Training dich nicht mehr fordert, kannst du zu deinem normalen Training zurückkehren.

Bei schwereren Erkrankungen und schweren Verletzungen, ist eventuell eine dauerhafte Adjustierung deines Trainings, auf die neuen Umstände, notwendig. Sprich also vorab unbedingt mit deiner Ärztin und deiner Trainerin über den Wiedereinstieg ins Training.

Diese Symptome solltest du beachten

Worauf sollte man achten, wenn man nach einer Virus Infektion wieder mit dem Sport anfängt?

Eine Trainingspause von 10-14 Tagen nach einer Virus Infektion ist auf jeden Fall angebracht. In dieser Zeit solltest du jegliche anstrengende Tätigkeiten vermeiden und dich gut ausruhen. Du weißt schließlich nicht welchen Kampf dein Körper gerade kämpft. Versuch ihr zu unterstützen so gut es geht.

Folgende Symptome könnten Anzeichen für eine Myokarditis sein:

Atemnot
Übelkeit, Appetitlosigkeit

Durchfall
Fieber
übermäßig erhöhte Herzfrequenz
Schmerzen in der Brust

Solltest du dir unsicher sein, ob du eine Folgeerkrankung – im schlimmsten Falls Myokarditis – hast, lass dich lieber einmal zu viel untersuchen, als zu wenig.

24-Stunden-EKG

Bei einer Blutuntersuchung können die allgemeinen, sowie die Herz-Entzündungs-Werte, C-reaktives Protein und Troponin genauer betrachtet werden.

Im Zweifelsfall mach zur Vorsicht lieber einmal mehr Trainingspause.
Sonst könnte es tatsächlich dein letztes Training für 6 Monate gewesen sein.

Alles Gute und bleib gesund!

Katharina ❤

Head Coach Fitness Glam Coaching

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